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Die Mieter sind die Verlierer der C02-Ziele

Die Wirtschaftswoche berichtet in einem Online-Artikel vom 18.06.2012 von einem Gespräch mit Axel Gedaschko, Präsident des GdW (Gesamtverband Deutscher Wohnungsunternehmen). Gedaschko erklärt, dass zwar die Investitionen in den Wohnungsbau steigen, zuletzt um 10 %, für 2012 wird erwartet, dass die 10 Mrd. € – Grenze erstmals seit 2001 überschritten werden kann. 200.000 Wohnungen sollen in diesem Jahr neu fertiggestellt werden. Die Investitionen in den Neubau der GdW-Mitglieder sind zuletzt um 25 % gestiegen.

Der GdW merkt an, dass viele Mitglieder Investitionen in preiswerten Wohnungsraum scheuen. Nach dem Präsidenten des GdW stehen die hohen Kosten der (energetischen) Modernisierung kein staatlicher Ausgleich gegenüber. Die Folge ist, dass aus preiswertem Wohnraum, zwangsläufig teurer Wohnraum wird. Das Missverhältnis der staatlichen Subventionen zeigt sich bei folgendem Rechenbeispiel: Um 1 Tonne CO2 einzusparen subventioniert der Staat bei Stromerzeugung mit 465 € bei der energetischen Gebäudesanierung mit weniger als 70 €. Hier ist die Politik dringend gefordert einen Ausgleich zu schaffen.

Die Baukosten sind zuletzt durchschnittlich um über 12 % p.a (26,6 % von I/2010 zu 4/2011) gestiegen. Notwendige (energetische) Modernisierungen gerade in preiswertem Wohnraum werden verschoben. Denn die Mieten im unteren Preissegment liegen durchschnittlich bei 5,74 €/m², hohe Investitionen sind daher sehr problematisch zu sehen.

Der Teilmarkt des hochpreisigen Mietwohnungsbau in den Regionen Großraum Stuttgart, München, Köln/Bonn, Hamburg, Rhein-Main-Gebiet ist dagegen von Zuwachs gekennzeichnet.

Der Deutsche Mieternbund erwartet, dass bis 2017 etwa 825.000 Mietwohnungen fehlen in Deutschland. Die Mieten werden dann weiter steigen, energetische Modernisierungen sind dann noch unwirtschaftlicher.

Der Bund ist gefordert insbesondere den öffentlich geförderten Wohnungsbau stärker zu fördern. Heute benötigen 4,5 Mio. Mieterhaushalte finanzielle Unterstützung vom Staat, im Osten sind 5 % mehr als im Westen. Die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen ist dagegen von 2,85 Mio. in 2002 auf 1,85 Mio. in 2008 gesunken, zuletzt ist die Zahl auf knapp 1,0 Mio. Wohnungen gefallen, die Tendenz geht so weiter.

Unser Kommentar:
Der Bedarf an preiswerten Wohnungen dürfte auch wegen der demographischen Entwicklung eher zu als abnehmen. Im Gegenzug ist 1.) die Bereitschaft der Wohnungsunternehmen gehemmt, zwingend notwendige Investitionen in diesen Bestand durchzuführen, denn die Vorgaben der Energieeinsparverordnung verpflichten beispielsweise teure Dämmungen durchzuführen bei Fassadenausbesserungen. 2.) Öffentlich geförderte Wohnungen werden teurer, weil die Baukosten steigen und die Miete nach einer Wirtschaftlichkeitsberechnung ermittelt wird.